Sterbephasen bis zum Tod

Das Sterben und der Tod gehört aus Sicht der Palliativmedizin zum Leben dazu. In diesem Beitrag beschreiben wir, was während dem Sterbeprozess und den Sterbephasen eines kranken Menschen passiert.

Dieser Artikel befasst sich im Detail mit dem biologischen Sterbeprozess und den letzten 48 Stunden vor dem Tod. Sollten Sie empfindlich auf Themen wie Tod und Sterben reagieren, empfehlen wir Ihnen, diesen Artikel zu überspringen.

Inhaltsverzeichnis

Der letzte Lebensabschnitt

Palliativmediziner bezeichnen das Sterben als den letzten Lebensabschnitt. Das Sterben im engeren Sinne beginnt mit der Terminalphase und der danach eintretenden Sterbephase. Wie sich die Terminalphase darstellt, umschreibt Robert Twycross wie folgt:

Der Patient ist sehr schwach, zumeist bettlägerig, schläfrig für lange Perioden mit stark limitierter Konzentrationszeit. Es besteht zunehmendes Desinteresse an Nahrung und an Flüssigkeit.

R. Twycross

Es ist fast unmöglich, genaue Aussagen darüber zu machen, wann die Terminalphase bei einem Menschen anfängt. Wichtig ist aus Sicht der Palliativmedizin, die letzten Lebenstage für den sterbenden Menschen so angenehm wie möglich zu gestalten. In diesem Sinne hat das „Wohlfühlen“ die höchste Priorität.

Was ist Palliativmedizin?

Die Palliativmedizin kümmert sich um jene Menschen, die schwer krank sind und nicht mehr geheilt werden können.

Das Gesund werden steht daher nicht mehr im Mittelpunkt der Behandlung.

Sterbephasen - Palliativmedizin
Sterbephasen

Stattdessen steht die Lebensqualität der Patienten im Fokus, mit dem Ziel, dem Patienten eine schöne und schmerzfreie, letzte Lebensphase zu ermöglichen.

Phasen des letzten Lebensabschnitts

Rehabilitationsphase

In der Rehabilitationsphase schreitet eine tödliche Krankheit unaufhaltsam voran. Die Lebenserwartung liegt jetzt noch bei einigen Monaten und die betroffene Person wird letztlich krankheitsbedingt pflegebedürftig.

Terminalphase

Irgendwann ist die Krankheit soweit fortgeschritten, dass keine Heilung mehr in Aussicht steht. Der Zustand der kranken Person verschlechtert sich zusehends und die betroffenen Menschen sind auf Pflege und Unterstützung angewiesen. Der Patient ist sehr schwach, zumeist bettlägerig und für längere Perioden sehr schläfrig. Es besteht zunehmendes Desinteresse an Nahrung und an Flüssigkeit. Dies ist dann auch der Start eines biologischen Programms, welches in der Finalphase im Körper abläuft.

Finalphase und der Eintritt des Todes

Der Sterbeprozess im biologischen Sinne beginnt mit der Finalphase, oft auch als Sterbephase bezeichnet.

Nach Stunden oder Tagen der stark reduzierten Nahrungsaufnahme fährt der Körper den Stoffwechsel zurück. Ein sterbender Organismus baut nichts mehr auf. Deshalb verweigern die Patienten essen und trinken. Das Gehirn schüttet dadurch Stress-Botenstoffe aus. Hunger und Durst hören auf – auch das gehört zum Sterbeprozess.

Sonden, welche Nährstoffe zuführen, werden in dieser Phase meist entfernt. Das Verweigern von Nahrungs- und Wasseraufnahme durch die Patienten macht den Angehörigen oft grosse Angst. Doch die Austrocknung ist für den sterbenden Menschen gut. Nur dann schüttet das Gehirn weitere Stoffe, sogenannte endogene Opiate aus, welche die sterbende Person beruhigen und Schmerzen lindern.

Als Nächstes werden Hände und Füsse kalt. Das Blut zieht sich zurück, der Kreislauf zentralisiert sich nun und konzentriert sich auf die wichtigsten Organe Lunge, Herz und Gehirn. Als Folge davon sieht man, dass die Haut an den Füssen fleckig wird, was ein Ergebnis der verminderten Durchblutung ist. Auch die Zehennägel verfärben sich blau. Ausserdem hören Magen und Darm auf zu arbeiten. Die Nieren werden nicht mehr durchblutet und produzieren keinen Urin mehr.

Giftstoffe sammeln sich im Blut an, denn es wird nicht mehr gereinigt. Die Folge ist, dass die Gifte das Gehirn lähmen. Der Patient wird letztlich bewusstlos.

Noch atmet der Patient regelmässig, doch mit jedem Atemzug geht ein brodelndes Rasseln einher. Es liegt daran, dass die sterbende Person nicht mehr husten und schlucken kann. Rachen und Bronchien füllen sich mit Schleim, welcher das Rasseln verursacht. Obschon sich dies für die Angehörigen teilweise furchterregend anhört, ist das Rasseln für den Patienten selbst keine grosse Belastung.

Das Atmen durch den Mund trocknet die Schleimhäute aus. Feuchtes Abtupfen bringt Erleichterung. Obwohl die sterbende Person bewusstlos ist, spürt sie, dass sie umsorgt wird. Berührungen und vertraute Musik schaffen Geborgenheit.

Zuletzt wird der Atem unregelmässig. Die sterbende Person schnappt nach Luft. Das ist das Zeichen dafür, dass das Herz nicht mehr richtig schlägt und schliesslich stillsteht.

Jetzt bricht die Sauerstoffversorgung des Körpers zusammen und das Gehirn setzt aus. Der Tod tritt ein. Jeder Mensch stirbt anders und die beschriebenen Phasen können unterschiedlich lang dauern.

Nun beginnt für die Hinterbliebenen der Abschied und die Verarbeitung des Todes eines geliebten Menschen.


Sterbephasen nach Kübler-Ross

Nach jahrelanger Forschungsarbeit beschrieb die Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross die 5 Phasen des Sterbens. Im Rahmen ihrer Arbeit führte die Schweiz-amerikanische Psychiaterin mit über 200 sterbenden Patienten Gespräche. Diese Gespräche liess sie annehmen, dass die Verarbeitung der Erkenntnis des eigenen Lebensendes bei den meisten sterbenskranken Menschen in bestimmten Phasen verläuft.

So gelang es ihr, fünf Phasen des Sterbens abzuleiten. Diese fünf Phasen werden durch die Patienten in unterschiedlicher Form durchlaufen. Diese Erkenntnis veröffentlichte Kübler-Ross im Buch „On Death and Dying“.

Die 5 Phasen beginnen mit dem Nicht-Wahrhaben wollen. In diesem Stadium erfährt der Betroffene von seiner tödlichen Krankheit und will diese nicht wahrhaben.

5 Phasen nach Kübler-Ross

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
    • Patient erfährt, dass er sterbenskrank ist.
    • Reaktion ist meist Verneinung, Schock, Verleugnung oder Empfindungslosigkeit.
    • Schockphase ist eine Schutzreaktion der Psyche
  2. Zorn
    • Nach dem Schock brechen Emotionen auf.
    • Wut, Zorn, Schuldzuweisungen gehören zu den gängigen Zorn-Reaktionen.
    • Kann auch für Angehörige sehr belastend sein, denn oft richtet sich die Zorn-Phase unterschwellig auch gegen Angehörige.
    • Wichtig ist zu wissen, dass dies zum Verarbeitungsprozess des Patienten gehört.
  3. Verhandeln
    • In dieser Phase hadert und verhandelt der Patient mit sich selbst, mit den Ärzten, mit Gott und dem Schicksal.
    • In dieser Phase sollte dem Patienten nicht die Zuversicht genommen werden, jedoch sollte der Patient auch vor unrealistischen Wünschen, falschen Hoffnungen und Szenarien geschützt werden., zu wecken.
  4. Depression
    • Die Realisierung des nahen Todes kann bei den betroffenen Menschen zu Depressionen, Ängsten und Trauer führen.
    • Das Bewusstsein des Lebensende, der unvollendeten Projekte, der verpassten Chancen im Leben und die Wünsche, die man sich in gesunden Tagen nicht erfüllt hat, kann auch für das Umfeld der betroffenen Person sehr zermürbend sein.
  5. Zustimmung
    • Das Schicksal wird angenommen.
    • Ein ruhiger oder schon fast gefühlloser Zustand tritt beim Patienten ein.
    • Der Gesprächsbedarf nimmt ab.
    • Der Fokus der Person ist nun primär nach innen gerichtet. Angehörige dürfen dies jedoch nicht als Ablehnung empfinden.
    • Kleine Gesten der Angehörigen sind jetzt wichtig: Die Hand halten, einfach da sein, am Bett sitzen.

Die Rechte sterbender Menschen

Im Jahr 1975 wurde in den USA ein internationaler Workshop von Palliativmedizinern und Pflegeexperten zum Thema „Der Todkranke und der Helfer“ durchgeführt. Entstanden sind dabei die folgenden grundlegenden Menschenrechte, die jedem sterbenden Menschen zustehen:

Deklaration der Menschenrechte Sterbender

  1. Ich habe das Recht, bis zu meinem Tode wie ein lebendiges menschliches Wesen behandelt zu werden.
  2. Ich habe das Recht, stets noch hoffen zu dürfen – worauf immer sich diese Hoffnung auch richten mag.
  3. Ich habe ein Recht darauf, von Menschen umsorgt zu werden, die sich eine hoffnungsvolle Einstellung zu bewahren vermögen – worauf immer sich diese Hoffnung richten mag.
  4. Ich habe das Recht, Gefühle und Emotionen anlässlich meines nahenden Todes auf die mir eigene Art und Weise ausdrücken zu dürfen.
  5. Ich habe das Recht, kontinuierlich medizinisch und pflegerisch versorgt zu werden, auch wenn das Ziel „Heilung“ gegen das Ziel „Wohlbefinden“ ausgetauscht werden muss.
  6. Ich habe das Recht, nicht alleine zu sterben – ich habe das Recht, alleine zu sterben
  7. Ich habe das Recht, schmerzfrei zu sein – ich habe das Recht, Schmerzen zu haben
  8. Ich habe das Recht, meine Fragen ehrlich beantwortet zu bekommen.
  9. Ich habe das Recht, nicht getäuscht zu werden.
  10. Ich habe das Recht, von meiner Familie und für meine Familie Hilfen zu bekommen, damit ich meinen Tod annehmen kann.
  11. Ich habe das Recht, offen und ausführlich über meine religiösen und /oder spirituellen Erfahrungen zu sprechen, unabhängig davon, was dies für andere bedeutet.
  12. Ich habe das Recht zu erwarten, dass die Unverletzlichkeit des menschlichen Körpers nach dem Tod respektiert wird.
  13. Ich habe das Recht, meine Individualität zu bewahren und meiner Entscheidungen wegen auch dann nicht verurteilt zu werden, wenn diese in Widerspruch zu den Einstellungen anderer stehen.
  14. Ich habe das Recht, von fürsorglichen, empfindsamen und klugen Menschen umsorgt zu werden, die sich bemühen, meine Bedürfnisse zu verstehen und die fähig sind, innere Befriedigung daraus zu gewinnen, dass sie mir helfen, meinem Tode entgegenzusehen.
  15. Ich habe das Recht, in Frieden und Würde zu sterben.

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Quellen

  • Webseite Wikipedia: Rober Twycross
  • Webseite Wikipedia: Sterben
  • Webseite benu.at: Sterbephasen, Sterbeprozess und Anzeichen des Todes
  • Webseite medizinfo.de: Die Sterbephasen
  • Webseite sodis.de: Die Deklaration der Menschenrechte sterbender Menschen

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